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am liebsten draußen – unterwegs

Wohldorfer Wald – Duvenstedter Brook – Ammersbek Niederung

Begegnungen in der Dunkelheit
Mitten im Wald bei fortgeschrittener Dämmerung lief ich am Ende eines Pfads. Dort huschte ein bejahrter Mann aus dem Unterholz, riss mich aus Gedanken. Er: Mensch, ist das Licht nicht hell? Was machte er dort? Es sah aus als ob er dort geschlafen hatte, mitten im Wald. Ich rannte weiter, fort in die Dunkelheit, lauschte den gefiederten Vögeln. Schwänen, Krähen, Amseln, Enten, mir unbekannten Wesen. Ansonsten Stille, Ruhe vor dem Großstadtdschungel. Deshalb war ich im Wald. Erreichte das märchenhafte Professoren-Moor in nun völliger Dunkelheit, einen kilometerlangen schmalen Damm, umgeben von Moor auf beiden Seiten. In der Ferne ein Jogger, zumindest ein laufendes Licht. Die Sicht wurde schlechter je tiefer der Weg mich in den Brook führte – dichter Nebel. Auf jeden Schritt achten, der geschmolzene Schnee hatte den Boden aufgeweicht, es war rutschig, ich schnell unterwegs, Läuferglück – plötzlich zwei gelbe Augen etwa drei Meter entfernt, schräg rechts vor mir. Was für ein Tier ist das? Bloß weiter. Zum Glück! Weder Wolf noch Wildschwein. Oder? Hielt dieses Wesen aufgrund des Augenstands für eine Art Katze, eine sehr große Katze. Eine aus pharaonischen Abbildungen entschlüpfte oder ein Luchs? Leichte Panik, es bewegte sich – auf mich zu! Äste knacken, zu schwer für eine Hauskatze. Ich laut: Beweg dich bloß hier weg! Das Wild verharrte, ich rannte noch schneller, vorbei, weg, blieb an einer Wurzel hängen, stürzte fast vornüber, hielt mich gerade so auf den Beinen, stechender Schmerz hinten im Oberschenkel. Geriet ab vom schmalen Weg, versank bis zum Schienbein im tiefen Morast, kämpfte mich wieder auf den Pfad zurück, lauschte Schritten dieses Tieres, hielt Ausschau nach dem Licht des anderen Läufers – doch, beides war fort. Stille. Nur das Platschen meiner Schritte. Mein Atmen. Endlich am Ende des Moores angekommen. Adrenalinspiegel sinkt langsam. Betriebstemperatur. Diese wunderbare Luft, Durchatmen, kühlender Wind zieht auf. Weiter. Nun ein Pfad am Straßenrand, Kopfsteinpflaster, Wald um mich herum. Eine Rechtskurve, reflektierende Lampen parkender Autos oder… Laternenumzug? Bleibe stehen. Eine Herde Rehe, mindestens 12 an der Zahl, keine vier Meter Entfernung auf der anderen Straßenseite. Die Silhouetten sind gerade so von dem schwarzen Wald im Hintergrund unterscheidbar. Erkenne den vorherigen lächerlichen Irrtum. Rehe! Lache laut auf. Lebensfreude. Atme die kühle Abendluft tief ein, dampfend aus. Doch von weitem Autoscheinwerfer, rufe, damit die Rehe in Sicherheit verschwinden mögen. Sie, Energiesparer von Haus aus, machen nur ein paar Schritte, nicht wissend, dass ihre Augen in dem Licht meiner Lampe reflektierend wie eine gelbe Galaxie am Waldesrand wirken. Hopp, Hopp. Nichts. Zwei Dutzend gelb leuchtende Augen starren auf meine Stirn. Wir verharren kurz. Schön ist das Läuferleben.

 

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Thema von Anders Norén

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