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am liebsten draußen – unterwegs

Verzwickt

Sie, Anfang 30, half im letzten Jahr hier in Hamburg Geflüchteten am Hauptbahnhof. Sie versorgte sie mit Lebensmitteln, Decken usw. mit vollem Einsatz, verwendete Urlaubszeit, um besser helfen zu können. Sie bezeichnet sich, verschmitzt lächelnd, als partiell radikale, ansonsten einfach als moderne, moderate Feministin. Silvester wurde sie am Hamburger Berg (Reeperbahn) sexuell belästigt, angegrabbelt, wie sie sagt. Das könnten Männer gewesen sein, denen sie zuvor geholfen haben könnte, ja. Wiedererkannt hat sie niemanden, aber die Täter sprachen arabisch. Etwas Schlimmeres sei zum Glück nicht passiert, ihre Freundin, mit der sie unterwegs war, hatte zum Glück Pfefferspray in der Handtasche dabei. So konnten sie sich befreien und ein nahes Restaurant betreten und sich so retten. Daraufhin besuchte sie Selbstverteidigungskurse.

Jedes Jahr fängt sie gemeinschaftlich mit befreundeten Naturschützer/innen Neozoen aus kleineren Hamburger Flüssen (Amerikanischer Signalkrebs). Das mache viel Spaß und so könnten heimische Tier- und Pflanzenarten geschützt werden. Dies stärke unsere heimische Natur.

Mittlerweile leben wieder Wölfe in Deutschland, seit Kurzem sogar ein Rudel in der Osterheide bei Schneverdingen. Sie konnten nach dem Mauerfall von Polen aus einwandern. Es werden von Jahr zu Jahr mehr. Sie dürfen laut Gesetz nicht bejagt werden. Erst fand sie das ganz großartig, es gebe zu viel Schwarz- und Schalenwild in Deutschland, weniger davon wäre gut für unsere Wälder. Jedoch änderte sie ihre Meinung, als in der Oranienburger Heide in Sachsen-Anhalt Fohlen einer Konik-Pferdeherde von Wölfen gerissen wurden. So sei das ja nicht kommuniziert worden. Pferde seien für Wölfe keine Beute, hieß es vor Jahren auf einer Informationsveranstaltung von einem Wolfsberater. Zuvor wurden zwar schon regelmäßig Schafe von Wölfen gerissen, dies habe ihre Meinung jedoch nicht ändern können. Erst die Pferde, die sie über alles liebe, brachten die Veränderung ihrer Haltung. Sie reite zwei Mal im Monat am Rand der Osterheide.

Ich habe sie nur zwei oder drei Mal gesprochen, eine zufällige Begegnung. Wir haben keinen Kontakt. Ich musste nur wieder an die Nachdenklichkeit denken, in welcher sie mich zurückließ, als ich heute Abend, am besagten Fluss, eine Gruppe Menschen gesehen habe, die Pflanzen am Ufer jätete. Bei den Pflanzen handelte es sich, soweit ich richtig liege, um die Pflanzenart Mammutblatt.

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8 Kommentare

  1. speedhiking 2. November 2016

    Geniale Montage, das mit den Neozoen/Neophyten! Und ohne wertende Bemerkungen. Bringt das Verzwickte so schön an die Oberfläche.

  2. ladyfromhamburg 2. November 2016

    Es ist alles wirklich nicht einfach … Ein sehr interessanter Beitrag! Ich stimme „Speedhiking“ und seiner Anmerkung bezüglich des Verzwickten zu. Es gibt zu denken …

    Was den Neophyten angeht, so denke ich nicht, dass es um Mammutblatt geht. Die Arten von Gunnera breiten sich zwar in der Heimat Südamerika oft mehr als erwünscht aus, doch hier hat das Mammutblatt diese Chance gar nicht, weil es sehr frostempflindlich ist und immer speziellen Winterschutz benötigt. Es wird mehr als Zierde angepflanzt. Gern am Wasser, es ist aber keine Wasserpflanze.
    Was so ähnlich aussieht und manchmal schon bekämpft wird, ist zum einen Pestwurz, aber als wirklich invasive und gefährliche Art, ist es der Riesenbärenklau (Herkulesstaude), die auch ähnlich große, gezackte „Lappen“ als Blätter ausbildet. Diese Riesenstaude wird bei Aktionen oft großflächig bekämpft und entfernt.

    LG Michèle

    • Pesen 2. November 2016 — Autor der Seiten

      Meine, das irgendwo gelesen zu haben in einer Liste von Neophyten hier in der Nähe, vllt die Hochgebirgsvariante? Melde mich diesbezüglich noch Mal. Eventuell lassen sich ja Blätter ergattern oder wenigstens ein Foto. Das ist doch eine Motivation für einen Lauf morgen. 🙂 Wenn es sich um Riesenbärenklau handelt und ich noch etwas finde, reiße ich es gleich aus. Danke für die Infos, sieht in der Blüte ein wenig wie Kerbel in groß aus.

      • ladyfromhamburg 3. November 2016

        Wenn es Riesenbärenklau ist und du ihm selbst zu Leibe rückst, dann aber mit Handschuhen … Ein Foto wäre interessant (und ungefährlich ^^).

        • Pesen 19. November 2016 — Autor der Seiten

          Was da gejätet wurde, konnte ich wg früher Dunkelheit leider nicht mehr herausfinden. Ein paar Tage später schaffte ich es dann aber gerade so in der Dämmerung, Mammutblatt wächst tatsächlich an der Wandse nahe dem Botanischen Sondergarten. Jemand hat es dort angepflanzt, sogar mit Schild versehen. Daher kam ich auch auf den Namen, habe es vor 2 Jahren zufällig entdeckt. Hab ja sonst überhaupt bis kaum Ahnung von Pflanzennamen. Nach dem Frost bin ich dann nochmal hin, und siehe da, die Pflanzen wurden winterfest gemacht. Da hast du also recht.

          Ich dachte, es wäre auch Mammutblatt, was dort an manchen Teichen so üppig wächst, aber die Blattform war doch eine andere, wenn auch die Höhe und die Größe der Blätter ähnlich groß ist (letztes Foto). Auf den Blättern der Mammuts liegen Blätter von Silberahorn? Every day is learning. https://goo.gl/photos/qitwZvUygLzFzqz87

  3. ladyfromhamburg 19. November 2016

    Die Mammutblattpflanze an der Wandse kenne ich auch. Seit Jahrzehnten wächst sie dort mit entsprechendem Kistenschutz zum Winter. Ich sammle seit mehreren Jahren Fotos für einen (entstehenden) Blogpost zum Thema Gunnera und war u. a. immer mal wieder im Eichtalpark. ^^
    Wie gesagt, ich vermute eher, es sind dort ansonsten an einigen Stellen im Park Ansammlungen von Pestwurz (Petasites hybridus), manche sprechen auch vom „Falschen Rhabarber“, weil die großen Lappen ähnlich aussehen. Der kann Kälte ab.
    Ich habe deinen Link zu den Fotos angeklickt, kann aber nicht mit Sicherheit erkennen, ob es Silberahornblätter sind, die sich dort auf den Blättern gesammelt haben.

    LG Michèle

  4. chris 10. Dezember 2016

    Die eingewanderten Tier und Pflanzenarten werden wir eh nicht mehr los. Mit den Wölfen ist das so ähnlich, wie mit Leuten die sich vor Pferdefleisch ekeln, aber liebend gern massenhaft Rind, Schaf und Schwein (welches uns biologisch sehr nahe steht) verzehren…alles nicht so einfach.

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