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am liebsten draußen – unterwegs

Die Unterelbe: Wedel – Landungsbrücken [23]

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Was für ein wunderbarer Lauf. Oder vielmehr wunderbares Draußensein. Wobei es eigentlich nie einen Lauf gab, welchen ich später bereute.

Heute, am wolkenbehangenen Ostersonntag, erhoffte ich mir nicht allzu viele Schiffe auf der Elbe. Die Unterelbe ist in meinem Verständnis eine Art Autobahn, also Schiffbahn. Jedenfalls viel Abgase und Krach. Der Hafen ist mir genauso wie jedes andere Industriegebiet ein Graus, zumal seit 2001 hermetisch abgeriegelt vor der Normalbevölkerung, ein lauter, kalter, nichtöffentlicher Ort aus dem zugegebenermaßen all die guten Dinge kommen, u.A. auch die, die wir Läufer so am Körper tragen.

Der Plan war: von Wedel – Willkomm-Höft bis zu den Landungsbrücken zu laufen. Zunächst einmal also mit der S-Bahn nach Wedel. Dort angekommen geht es durch eine schmucke Einkaufsstraße eineinhalb km bis zur Elbe, genauer: Schulauer Hafen, Schiffsbegrüßungsanlage Willkomm-Höft.

Ein preussisches Wortmonstrum. Hier werden Schiffe in sofern begrüßt bzw. die Besatzungen der Schiffe, als dass die jeweilige Nationalhymne gespielt wird und die Flaggen gehisst werden. Die Besatzungen stammen meist von den Philippinen, deren Nationalhymne wird eher selten gespielt. Aber darum geht es weniger, vielmehr ist das Ganze eine Touristenattraktion. Essen kann man hier u.A. gut im Schulauer Fährhaus. Die Aussicht ist großartig. Der Wind der nicht mehr soo weit entfernten Nordsee regt den Appetit an.

Als ich die Elbe erreichte, überraschte mich die Sonne. Malerisch. Der Sonnenuntergang an der Unterelbe ist ein besonders schönes, liebliches Gedicht, welches ein wenig von der Welt da draußen, der Welt noch weit hinter der Nordsee kündet.

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Auf Trampelpfaden nahe am Ufer geht es entlang, zwischen Weg und Wasser nur der feine Elbsandstrand. Der Weg entlang der Elbe zwischen Wedel und Hamburg ist wirklich gelungen, nur unterbrochen vom Heizkraftwerk Wedel. Aber das ist schnell umlaufen und nach zwei km läuft man wieder direkt am Fluss. Das macht also satte 19 km direkt am Wasser. Die Elbinsel Neßsand erscheint, zur Linken sieht man den bis zu 100 Meter hohen Geestrücken. Sandstrand, die Spaziergänger sind zahlreich, aber nicht massenhaft. Der Weg ist nun befestigter, ein Fahrradweg, Fahrradfahrer – Vorsicht! Zwei Fahrschüler üben Wendemanöver auf der ansonsten schiffleeren Elbe. Der Wind weht schwach, kühlt mich, ich trage kurze Hosen, T-Shirt. Einen Trainingseffekt hat dieser Lauf nicht, zu oft halte ich, um Fotos zu schießen. Aber darum geht es mir schon lange nicht mehr. Ich möchte entspannen, suche Erholung. In Bewegung, am liebsten in der naturnahen Kulturlandschaft.

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Ich erreiche Blankenese, ein schöner Anblick. Die Staffelung der Häuser wie ein Fischerdorf aus einem Märchen. Teufelsbrück ist nicht mehr weit. Aber was ist das? Ein Krahn, Krach, Menschenauflauf am Ostersonntag? Das Holzaufstapeln für das Osterfeuer wird hier von der Elbe aus erledigt.

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Auf der anderen Flussseite die Estemündung. Da war ich vor nicht allzu langer Zeit. Auf dieser Seite der Elbe eine andere Welt. Ich entscheide mich am Strand zu laufen, der Wellengang ist natürlich abhängig vom Wetter, aber auch und besonders von der Größe der vorbeifahrenden Schiffe. Die Helgolandfähre mischt das Wasser ein wenig auf. Strand, sacht rauschende Wellen, Sonne.

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Als die Sonne fast ganz untergegangen ist, taucht ein Containerschiff am Horizont auf. Ein riesen Koloss, er kommt näher und näher, auf Höhe Finkenwerder holt er mich ein. Wie klein doch das Flugzeug, neben den Airbus-Produktionshallen parkend, aussieht, wenn so ein Containerschiff erscheint. Spielzeugflugzeug. Auf der Elbe erscheint nun ein leichter Dunst. Die Grautöne werden zu Blautöne, werden dunkler.

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Dann ist es duster, was auch seinen Reiz hat, im Hamburger Hafen Lichter um Lichter, von Schiffen, Hafenanlagen, Musicalhallen, Kneipen. Barkassen fahren durch den Hafen, Musik wird über das Wasser getragen. Rockymusik? Ich laufe plötzlich schneller. Ich komme mir ein wenig wie ein Fremder vor, so habe ich die Gegend noch nicht erlebt, im Dunkeln laufend, von dieser Seite der Stadt aus kommend. Lebt und arbeitet man in einem anderen Bezirk, kommt einem die restliche Stadt wie eine andere vor. Nach 23 Kilometern komme ich am Ziel an, die Landungsbrücken. Für ein Fischbrötchen direkt nach dem Laufen bin ich zwar nicht zu haben, aber die schmecken hier irgendwie besonders gut.

Hamburgs spektakulärster Halbmarathon! Immer wieder gerne – am besten mit Sonnenauf- oder Untergang. Hamburg ist echt vielseitig und [kann] (auch) wunderschön [sein].

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#Hamburg #Laufen

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